WISSEN — GRUNDLAGEN & COMPLIANCE
Alert Fatigue
Einfach erklärt
Wer täglich hundert Warnungen bekommt und feststellt, dass achtundneunzig davon belanglos sind, gewöhnt sich daran. Nach einigen Wochen wird die Liste nur noch überflogen. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine bekannte Eigenschaft menschlicher Wahrnehmung unter Dauerreiz. Genau in dieser Phase geht die eine Meldung unter, auf die es angekommen wäre.
Wie es entsteht
Alert Fatigue entsteht selten durch ein einzelnes schlechtes Werkzeug. Typisch ist eine Kette: Ein System wird angebunden, Regeln werden großzügig aktiviert, um nichts zu übersehen, und weil niemand Zeit für Feintuning hat, bleibt die Empfindlichkeit hoch. Die Zahl der Meldungen steigt, die Zahl der Personen, die sie bearbeiten, bleibt gleich. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Meldungen dieselbe Ursache haben, aber einzeln aufschlagen.
Wozu es dient und wo die Grenze liegt
Die wirksame Gegenmaßnahme ist nicht, weniger zu erkennen, sondern zusammenhängende Ereignisse als einen Vorgang zu behandeln und nach tatsächlicher Bedeutung zu ordnen. Verhaltensbasierte Erkennung hilft dabei, weil sie an Abweichungen vom normalen Betriebsbild ansetzt statt an starren Schwellwerten. Die Grenze: Kein System nimmt einem Team die Beurteilung ab, ob eine Auffälligkeit im eigenen Betrieb eine harmlose Erklärung hat. Priorisierung verringert die Menge, sie ersetzt nicht das Urteil.
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Zuletzt aktualisiert: 9. August 2026 · 4 Min. Lesezeit
